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Lochkarten: Von damals bis heute...

(c) 2002 by Saco @ Legacy


.:: Die Anfänge
Die Idee, Daten so aufzubewahren, dass eine Maschine sie lesen und verstehen konnte, stammt aus einer Zeit, in der an Computer und Rechenanlagen noch nicht im entferntesten zu denken war. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts baute Joseph-Marie Jaquard einen Webstuhl, der mit Hilfe eines Lochstreifens in der Lage wahr, automatisch die einzelnen Fäden während des Webvorganges zu bedienen.

Das Prinzip war so einfach wie wirkungsvoll: Metallstifte tasteten den Lochstreifen ab. Trafen sie auf ein Loch, betätigten sie einen Hebel, der wiederum einen Faden hob. War an der entsprechenden Stelle des Lochstreifen kein Loch, so blieb der Faden liegen.

Mit der Idee der Lochstreifen legte Jaquard den Grundstein für die automatisierte Fertigung und die digitale Datenspeicherung, welche allerdings erst gute hundert Jahre später ihren großen Auftritt haben sollte.


.:: Hollerith und die Volkszählung
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts boomten die Sozialwissenschaften. Die erfolgreiche Anwendung und Weiterentwicklung der Wahrscheinlichkeitsrechnung vor allem im Versicherungswesen führte zu einer großen Anzahl statistischer Erhebungen, die rasch immer umfangreicher wurden. Der Erhebungs- und Auswertungsaufwand stieg ins unermessliche und war gegen Ende des 19. Jahrhunderts manuell kaum noch zu bewältigen. So standen zum Beispiel die Ergebnisse der 10. Volkszählung in den USA von 1880 erst sieben Jahre nach deren Erhebung zur Verfügung.

Aus dieser Not heraus konstruierte Hermann Hollerith, ein Mitarbeiter des amerikanischen Zensusbüros, welches die Volkszählungen durchführte, eine Maschine, mit deren Hilfe es möglich sein sollte, einmal erhobene Daten schneller und präziser als mit dem manuellen Verfahren auszuwerten. Seine Idee war, die Daten jedes US-Bürgers auf einer Karte in Form von Löchern zu speichern, welche dann mit einer von ihm entwickelten Zählmaschine ausgewertet wurden. Das Verfahren, Daten in Lochform auf einem Streifen zu speichern, kannte er aus der Industrie, wo der Lochstreifen seit Jacquards Webstuhl Verbreitung gefunden hatte. Der National Geographic berichtet in seiner Januarausgabe von 1900 über dieses neue, ungewöhnliche Verfahren. Der Erfolg der Hollerith-Maschine und des ebenfalls nach seinem Erfinder benannten Hollerith-Verfahrens war durchschlagend: Die Auswertung der Volkszählung von 1890, in der es zum ersten Mal im großen Stil zur Anwendung kam, war bereits zwei Jahre später beendet, und das, obwohl eine zwölfmal höhere Datenmenge verarbeitet werden musste als bei der Volkszählung davor.

Ermutigt von diesem Erfolg fanden die Hollerith Maschinen rasch große Verbreitung in sowohl öffentlichen als auch privaten Einrichtungen. Die amerikanische Regierung setzte hunderte dieser Maschinen während des Ersten Weltkriegs ein: Die US-Army verwaltete mit ihnen ihr Inventar sowie medizinische und psychologische Daten und das War Industries Board, welches die Wirtschaft zu Zeiten des Krieges in hohem Maße kontrollierte, regelte seinen Geldverkehr mit Hilfe dieser Maschinen.

Mehr als die Regierung nutzte jedoch die Wirtschaft die Lochkarten, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. In der Zeit nach 1890 fand in der amerikanischen Wirtschaft ein enormes Wachstum statt und die Unternehmen stellten sämtliche Inventarverzeichnisse und jegliche Kontenüberwachung auf die neue Technik um, da sie sonst auf dem Markt nicht mehr schnell genug reagieren konnten. So fingen Eisenbahngesellschaften etwa 1906 damit an, ihre Systeme auf die neue Technik umzustellen, um das komplizierte Papierverfahren zur Planung des Verkehrs zu ersetzen und lochkartengestützte Maschinen zur Fahrplanerstellung einzusetzen. Versicherungen folgten auf dem Fuße: die Aetna Life and Caualty company verwendete ab 1910 Hollerith-Maschinen, um Sterblichkeitsdaten auszuwerten. In den Führungsetagen besaß diese Technik hohes Ansehen: in einer Sprache die wir von heutigen Reports über die Computerisierung gewohnt sind, schrieb 1926 ein Autor:

"Lochkartensysteme sind bewährte Mittel, um auf ökonomische Weise Fakten und Zusammenhänge zu ermitteln, die grundlegend für das intelligente Betreiben einer Eisenbahn sind, von denen Geschäftsdaten schnell und akkurat ausgewertet und den Entscheidungsträgern präsentiert werden können, zum Zeitpunkt, an dem sie gebraucht werden, in einer Form, die sich zum Handeln am besten eignet." -- aus "Railway Accounting with Punch Cards", Railway Review 79 (September 4, 1926)

Lochkartenmaschinen waren modern und effizient, das, was wir heute "High Tech" nennen würden. Sie wurden bald zum Ausdruck dessen, was "up to date" und geschäftsmäßg war.


.:: Die Lochkarte erobert die Öffentlichkeit
In den 1940ern breitete sich die Lochkartentechnik immer weiter aus. In der Bevölkerung haben sie schnell den Ruf, Zeichen einer neuen Art von Bürokratie zu sein. Trotzdem war die Technologie noch exotisch. Die New Yorker brachte 1940 einen Artikel, in dem von Menschenmengen berichtet wird, die sich vor dem Fenster eines Büroaustatters sammelten um eine Lochkarten-Sortiermaschine bei der Arbeit zu sehen.

Doch auch das verging bald und Lochkarten wurden ein Teil des täglichen Lebens. Bibliotheken begannen, ihre Buchbestände anhand von Lochkarten zu verwalten. Polizeiämter benutzten sie, um Kriminelle aufzuspühren. Ihr Einsatz in der Lohn- und Betriebsmagement verstärkte sich. Zeitungen und Zeitschriften schrieben populäre Artikel über diese Technologie. Die Reporter überschlugen sich dabei fast mit Metaphern für diese neue Art Maschinen. So nannte die Saturday Evening Post die Hollerith-Maschine des Los Angeles Police Department einen "mechnischen Sherlock Holmes", einen " Roboter, der Verbrechen hasst" oder den "Detektiv, der niemals schläft."

In Deutschland allerdings sollte sich sehr bald die Kehrseite der neuen Informationstechnik offenbaren. In den Volkszählungen von 1930 und 1940, in denen ebenfalls Hollerith-Maschinen mit Lochkartentechnik eingesetzt worden waren, wurden unter anderem nach Religion und nationaler Herkunft gefragt. Das gab den Nationalsozialisten natürlich ein perfektes Werkzeug in die Hände, schnell und gründlich Juden und Zigeuner aus der Masse der Bevölkerung herauszufiltern. Nach Aussagen während der Nürnberger Prozesse war eines der ersten Dinge, welche die ankommenden Gefangenen im Lager Treblinka zu sehen bekamen, ein Angestellter an einer Hollerithmaschine, der ihre Daten auf eine Lochkarte stanzte.

Spätestens in den 1950ern, nach der Erfindung des Computers und seines Siegezuges durch die Geschäftswelt, wurden Lochkarten zur Selbstverständlichkeit. Firmen verschickten Lochkarten zusammen mit Rechnungen: Telefonunternehmen, Zulieferer und selbst kleinere Geschäfte erkannten, dass sich das gesamte Kassenwesen mit Hilfe der Lochkarten vereibfachen ließ, indem man die Karten selbst anstelle eines Schecks als Zahlungsmittel verwendete.

Die studentischen Revolten der 1960er Jahre machten auch vor der Lochkarte nicht halt. Besonders in den USA wurde sie zum Symbol der Dominanz der Maschinen über den Menschen. Man fühlte sich von den neuen Maschinen, die die Verwaltung der Gesellschaft übernommen zu haben schienen, in die Enge getrieben, den Menschen nur noch auf das Stück Pappe mit den Löchern degradiert, der möglichst maschinenlesbar sein musste. Do not fold, spindle or mutilate! war ein gebräuchlicher zynsicher Satz, mit denen sich vor allem Studenten charakteriserten und der sich von dem warnenden Aufdruck auf allen Lochkarten ableitete. Doch der Protest richtete sich auch in eine andere Richtung, gegen ein Phänomen, das zu dieser Zeit erstmals auftrat: den immer gröfleren Einfluss, den einzelne monopolistische Unternehmen - in erster Linie IBM, größter Hersteller von Lochkarten - auf die Gesellschaft ausüben konnten.


.:: Ein Medium stirbt
Obwohl die Lochkarte zu ihrer Zeit viel verwendet wurde, gibt es heute praktisch keine Nutzungsmöglichkeiten mehr. Manche Nostalgiker (wie z.B. von Legacy) sammeln Lochkarten oder benutzen sie noch als Kaffeeuntersetzer - ansonsten haben sich modernere Geräte (die ich hier nicht erwähnen muss) den Einzug in die Technik geschafft.


.:: Die Technik der Lochkarten
Der ursprüngliche Code, der für Daten auf Lochkarten genutzt wurde, besaß lediglich 240 mögliche Punkte, an denen Löcher gesetzt weren konnten. Doch schon im frühen 20. Jahrhundert wurde ein neues Format eingeführt, welches 45 Zeilen mit je 12 Lochpunkten pro Zeile zuließ (540 Punkte pro Karte). Die Löcher auf diesen Karten waren rund. 1928 stellte IBM ein 80-Spalten-Format mit rechteckigen Löchern vor, womit die Datenmenge, die auf einer Karte gespeichert werden konnte, beinahe verdoppelt wurde. Mitte der dreißiger Jahre mutmaßte IBM, dass die runden Löcher aufgrund ihres größeren Platzanspruches bald verschwunden sein würden.

Tatsächlich überlebten die runden Löcher bis in die frühen 1990er, wenn auch nur in äuflerst wenigen Anwendungen. Es gibt zwei Gründe dafür: Erstens besaß IBM das Patent auf das neue rechteckige Format, so dass die Konkurenz auf das alte Format angewiesen war. Zweitens jedoch erfand Ramington Rand, einer der Hauptkonkurrenten IBMs aus der Vor-Computer-Zeit, einen 6-Bit Code, der es möglich machte, 90 Zeilen Text auf den alten 45-Zeilen-Karten zu speichern. Als Remington Rand UNIVAC kaufte, integrierten sie natürlich ihre 90-Zeilen-Karte in die UNIVAC-Computer.

Erst in den späten 1960er Jahren wich man vom ursprünglichen Kartenformat ab. IBM stellte eine 96-Zeilige Karte vor, die erheblich kleiner als Holleriths Original war, jedoch mehr Speicherkapazität als alle anderen Karten auf dem Markt besaß. Trotz dieser technischen Neuerung konnte sich das Modell nicht mehr durchsetzen, denn viele Anwender gingen bei Systemneuanschaffungen bereits zu neuen Speichermethoden über. Den Lochkarten stand von nun an eine neue Aufgabe als Schmierpapier bevor.

.:: Lochkartenmaschinen [mechanisch]

.:: Der Locher (IBM 66)

Die ungelochten Karten werden in das Kartenmagazin eingelegt, und zwar mit der bedruckten Seite nach vorn und der 9-er Zeile nach unten. Für den nun folgenden Durchlauf der Lochkarte bedient man sich der Tastatur, die einer Schreib- oder Saldiermaschine ähnlich ist. Die Karte gelangt vom Kartenmagazin ins Kartenbett, von dort zur Lochstation, dann zur Abfühlstation und schließlich in die Kartenablage. Um die Karte vom Kartenmagazin ins Kartenbett zu befördern, muß die Zufuhrtaste bedient werden. Wenn sie ein zweites Mal betätigt wird, gelang die nächste Karte ins Kartenbett und die erste in die Lochstation.
Die weitere Kartenzuführung erfolgt automatisch, wenn der Schalter "Kartenzuführung" eingeschaltet ist. In der Lochstation wird durch leichten Druck auf eine Type des Tastenfeldes die gewünschte Stanzung durch elektrische Impuls ausgeführt. Diese erfolgt jedoch nicht blockweise - mehrere Stanzung auf einmal - sondern seriell, Spalte für Spalte. Hat die 80. Spalte die Lochstation durschritten, wandert die Karte zur Abfühlstation und gleichzeitig die zweite Karte zur Lochstation. Erst wenn die dritte Karte zur Lochstation herangeführt wird, gelangt die erste zur Kartenablage. Oft wiederholen sich die Angaben bei mehreren hintereinanderliegenden oder allen Karten eines Arbeitsganges in bestimmten Spalten. Dies ist bei folgenden Angaben der Artikelkarte möglich :
- bei der Kartenart
- beim Datum
- bei der Vertreternummer
- bei der Kundennummer
- bei der Artikelgruppe
Die Kartenart ist in diesem Fall immer konstant, während die anderen Begriffe nur für ein Belegintervall gleich sind (für diese Begriffe hat man in der Fachsparche den Ausdruck "variable Konstante" geprägt). Ein Druck auf die Taste "Duplizieren" erspart ein nochmaliges Lochen. Hierbei werden die Lochungen der Karte, die gerade unter der Abfühlstation liegt, auf die nächstfolgende Karte übertragen.
Auch die Abfühlung erfolgt seriell, Spalte für Spalte. Wenn unter der Abfühlstation die Spalte 1 der Karte A liegt, so befindet sich unter der Lochstation ebenfalls die Spalte 1 der nächsten Karte B, in die beim Duplizieren der Wert der abgefühlten Karte übertragen wird.
Der Spaltenanzeiger zeigt an, welche Lochspalte sich gerade unter der Stanzung befindet. Man kann z.B. feststellen, wann das zu duplizierende Feld beendet ist und die Taste "Duplizieren" freigegeben werden muß. Sind die Lochungen auf einer Karte vor der 80.Spalte beendet, kann die Sprungtaste bedient werden. Die Karte wird dann sofort automatisch zur Abfühlstation geleitet und die nächstfolgende Karte zur Lochstation. Wird ein alphabetisches Feld, z.B. die Artikelbezeichung, nicht voll ausgelocht, muß bis zum Ende des Feldes die Leertaste gedrückt werden.
Bei einem Zahlenlochfeld ist es umgekehrt, weil dort die Wete in der Regel rechtsbündig gelocht werden. So muß etwa bei einem sechsstelligen Betragslochfeld, in das ein Betrag von DM 25,80 eingelocht werden soll, vor Eingabe der Ziffern zweimal die Leertaste bedient werden, bzw. es werden zwei Nullen vorgelocht, eine in der Praxis übliche Methode.
Sollen größere Mengen von Karten gleicher Einteilung gelocht werden, kann man die manuelle Betätigung des Lochers durch eine sogenannte Programmkarte bei folgenden Vorgängen einsetzen :
- beim automatischen Duplizieren eines Feldes
- beim automatischen Überspringen eines oder mehrerer Felder
- bei der Umschaltung von Ziffern auf Buchstaben oder umgekehrt
Die Programmkarte wird um eine Trommel gelegt. Die Programmsteuerung tritt ein, wenn der Programmhebelm der sich unter der Programmtrommel befindet, nach links heruntergedrückt ist.
Selbstverständlich kann beim Lochen der ersten Karte nicht auf automatisches Duplizieren eingestellt werden, da keine Übertragung von der Abfühlstation durch die vorhergehende Karte erfolgen kann. Erst nach Lochung der ersten Karte kann der Hebel für automatisches Duplzieren umgelegt werden. Wenn ein Feld nicht voll ausgelocht wird, können durch Auslösung der Sprungfunktion bis zum Ende des Feldes übersprungen werden.

.:: Der Prüfer

Die gelochten Daten und Werte sind bei dem beschriebenen Schreiblocher weder in Zählwerken noch auf Kontroll-Listen festgehalten. Nach dem Lochen ist keine Gewähr gegeben, daß tatsächlich alle abzulochenden Daten richtig und vollständig übernommen wurden. Zur Überprüfung der gelochten Karten wurde daher ein Gerät konstruiert, das nach dem Prinzip des beschriebenen Lochers arbeitet. Es wird ein elektrischer Kontaktkreis geschlossen, wenn an der Stelle, an der eine Lochung erfolgen sollte, tatsächlich eine solche erkannt wird. Wenn dies nicht der Fall ist, leuchtet eine Prüflampe auf, und die Tastatur ist gesperrt. Die so als fehlerhaft erkannte Karte wird von Hand eliminiert und eine neue Karte gelocht. Die geprüften Karten erhalten eine Prüfkerbe.

.:: Der Sortierer

Die Sortiermaschine wird eingesetzt, um eine Anzahl von Karten nach einem zuvor eingestellten System zu sortieren. Wie beim Lochen, erfolgt auch das Ordnen von Lochkarten halbautomatisch. Die Sortiermaschine hat ein Kartenzufuhrmagazin mit einem Fassungsvermögen von ca. 800 Lochkarten. Zwischen Kartenzufuhrmagazin und den Ablagefächern liegt eine Lesestation, die in der Lage ist, jeweils eine Spalte einer Lochkarten nach den Stanzmerkmalen zu untersuchen und z.B. bei Erkennen einer 4 die Lochkarte in das Fach 4 zu steuern.

.:: Der Mischer

Der Kartenmischer hat zwei Kartenzuführung und mindestens vier Ablagefächer (einige ältere Modelle hatten drei Fächer). Die Arbeiten des Mischers werden von auswechselbaren Schalttafeln (eine Schalttafel besitzt viele Buchsen mit ganz bestimmten Zwecken, mittels Schaltschnüren werden die Befehls-Anweisungen aneiandergereiht) gesteuert. Er besitzt die Fähigkeit, einen Vergleich von zwei Werten vorzunehmen. Die grundsätzliche Aufgabe des Mischers besteht darin, zwei nach demselbsen Ordnungsbefriff sortierte Kartenpakete in eine sinnvolle Ordnung zusammenzuführen. Die Funktion des Mischers ist gegenüber denen einer Sortiermaschine erweitert. Die Lesegeschwindigkeit der Kartenmischer beträgt 14400 bis 39000 oder 60000 Kartendurchläufe pro Stunde auf jeder Bahn.

BULL Mischer Modell 56.00 [15000 Karten, 4 Fächer, 4 Lesestationen]
IBM Mischer Modell 77 [14400 Karten, 4 Fächer, 2+1 Lesestationen ]
IBM Mischer Modell 88 [39000 Karten, 5 Fächer, 4 Lesestationen]
ICT Mischer Modell 365 [14400 Karten, 4 Fächer, 2+1 Lesestationen ]
ICT Mischer Modell 368 [14400 Karten, 4 Fächer, 2+1 Lesestationen ]

.:: Der Kartendoppler

Der Kartendoppler (z.B. IBM Modell A514 oder Modell 519 mit je 6000 Kartendurchläufen je Stunde) kann als eine Zusatzmaschine zu den Grundmaschinen - Locher, Sortiermaschine - des Lochkartenverfahrens bezeichnet werden. Die Bezeichung "Zusatzmaschine" sollte aber keineswegs über deren Nutzwerk hinwegtäuschen. Der Kartendoppler besteht aus der Kartenlese- und Kartenstanzeinheit und vereinigt die folgenden Funktionen (Doppeln, Stanzen, Summenstanzen, Zeichenlochen, Vergleichen).

.:: Der Rechenstanzer

Grundsätzlich sind zwei Kategorien von Rechenstanzern zu unterscheiden, nämlich der rein mechanische Rechenstanzer und der elektronische Rechenstanzer (z.B. IBM Modell 602 und 604 mit 6000 Kartenstanzung pro Stunde oder IBM Modell 609 mit 12000 Kartenstanzungen pro Stunde). Das Prinzip der mechanischen Ein- und Ausgabe mit Hilfe der Lochkarten ist bei beiden Kategorien identisch. Der wesentliche Unterschied besteht in der unterschiedlichen Durchführung der Rechenoperationen und Speicherung von Informationen. Während der rein mechanische Rechenstanzer mit mechanischen Zählwerken und Speichern arbeitet, werden die Operationen und Ergebnisse beim elektronischen Stanzer mit Hilfe von Elektronenröhren oder Kernspeichern durchgeführt bzw. gespeichert, und zwar nach dem Dualsystem, das später auch bei den Elektronischen Datenverarbeitungsanlagen mit Erfolg angewandt wurde. Das Dualsystem bietet den Vorteil einer enormen Rechengeschwindigkeit, die bei rein mechanisch arbeitenden Rechenstanzern niemals erreicht werden kann, obwohl beiden Rechenstanzer-Kategorien das Rechnen der vier Grundrechenarbten und deren Kombinationen untereinander gmeinsam ist. Darüber hinaus kann mit dem elektronischen Rechenstanzer im Wege von Iterationsverfahren radiziert werden´.

.:: Die Tabelliermaschine

Die bisher dargestellten Aggregate werden zur Datenerfassung und Aufbereitung eingesetzt. Das Ziel der Erfassung und Verabeitung von Informationen ist die Erstellung von Berichten, die den verschiedenen Bereichen einer Unternehmung oder Verwaltung als Dispositionsgrundlage dienen. Die für diesen Zweck entwickelte Tabelliermaschine (z.B. BULL Modell 60-5 oder IBM Modelle 407, 421, 424 oder 444) verarbeitet die zuvor aufbereiteten Daten, die sowohl Ziffern und Buchstaben als auch Sonderzeichen sein können. Die zu verarbeitenden Daten werden in Form von Lochkarten (Datenträger) in die Tabelliermaschine eingegeben. Die Steuerung der Daten erfolgt mit bestimmten Instruktionen, die der Tabelliermaschine über eine Schalttafel vorgegeben werden können. Mit einer Tabelliermaschine können Werte auch addiert, subtrahiert und mit einer Sondereinrichtung multipliziert und dividiert werden. Damit können in den zu erstellenden Berichten Zwischen- und Endsummen gebildet werden, die als Dispositionsgrundlage unerläßlich sind. Ein Schreibwerk ermöglicht schließlich, auf Grund der Eingabedaten und Konditionen Berichte zu erstellen, und zwar mit einer Geschwindigkeit von bis 9000 Zeilen in der Stunde.

.:: Elektronische Datenverarbeitung [lochkartenorientiert]

Dem Lochkartenverfahren ist eine gewisse Limitation immanent, allein schon wegen der Verarbeitungsmöglichkeit nur eines Datenträgers, der Lochkarte, die ihrerseits - siet man von Kombinantionsmöglichkeiten ab - bezüglich der Speicherkapazität aif 80 Lochspalten limitiert ist. Ein weiterer entscheidener Nachteil des Lochkartenverfahrens ist die sequentlielle Verarbeitung der Daten. Ebenso wird der geringe Integrationseffekt des Lochkartenverfahrens als wesentlicher Nachteil gegenüber der Elektronischen Datenverarbeitung empfunden.

Für den Aufbau einer Elektronischen Datenverarbeitungsanlage Mitte der 60er Jahre wurden folgende Komponenten verwendet :

.:: Eingabeeinheit:

.:: Kartenleser

Um die auf den Karten gelochten Informationen in den Kernspeicher zu übertragen (z.B. Burroughs Serie 2000/3000, Control Data Serie 3000, Honeywell Modell 1200, 2200 und 4200, IBM Serie 1400 oder Serie 360, ICT System 1900, Univac Serie 9000, Siemens 2000 und 4000 - Telefunken, Zuse und andere). Es wurden, Mitte der 60er Jahre, Kartenleser mit Geschwindigkeiten von 18000-96000 Kartenleseleistung in der Stunde angeboten).

.:: Ausgabeeinheiten:

.:: Das Druckaggregat

Zu dieser Zeit standen zwei verschiedene Drucktechniken zu Verfügung : Typenraddrucker und Kettendrucker (5 komplette Sätze mit je 48 Zeichen). Je nach eingelegtem Druckstab veränderte sich die Druckgeschwindigkeit. Bei dem Druckstab mit 13 Zeichen [1,2,3,4,5,6,7,8,9,0,+,-,.,,,] kann eine Druckgeschwindigkeit von 45000 Zeilen in der Stunde erzielt werden. Auswechselbaren Druckstäbe wurden i.d.R. mit 16,39,52,63 oder 64 Zeichen angeboten.

.:: Stanzer

Jede auf der Basis des Lochkartenverfahrens konzipierte Elektronische Datenverarbeitungsanlage hat als zweite Ausgabemöglichkeit ein Stanzaggregat. Ausgeliefert als serieller Lochspaltenstanzer, Zeilenstanzer oder Blockstanzer (mit einem Stanzvorgang mittels 760 einzelner Stanzhämmer (Simultanstanzung))

.:: Zentraleinheit :

Die folgende Beschreibung ist wieder ein Zitat aus dem Buch von Konrad Strigel von 1966:

Sieht man von der mehrfachen Leistung der Lese-, Druck- oder Stanzaggregate ab, könnte der Eindruck entstehen, als ob eine Elektronische Datenverarbeitungsanlage (z.B. Honeywell 120) lediglich eine in der Leistung erweiterte Tabelliermaschine darstellt. Dieser Eindruck trügt jedoch. Die interne Datenspeicherung und -übertragung vollzieht sich bei einer Elektronischen Datenverarbeitungsanlage nicht mehr mechanisch. Es ist bekannt, daß die Elektronen des elektrischen Stromes sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen. Die Darstellungsmöglichkeit mit Hilfe des elektrischen Stromes ist jedoch sehr begrenzt. Der Strom kann entweder fließen oder nicht. Der Zustand ist entweder 0 oder 1. Es ist entweder ein Bit gesetzt oder nicht, Daraus kann abgeleitet werden, daß uns bekannte Dezimalsystem zur internen Verarbeitung und Speicherung von Daten ungeeignet ist. Bei der Elektronik können immer nur zwei Zustände dargestellt werden. Infolgedessen bietet sich das Dualsystem - auch Binärsystem genannt - für die internen Arbeitsvorgänge an.
Bei den neuesten EDV Anlagen sind 8 Bit und ein Prüfbit für die kleinste Speichereinheit - Speicherstelle - zusammengefaßt. Man kann bei diesem Aufbau einen Buchstaben bzw. ein Sonderzeichen oder zwei Ziffern speichern. Man spricht von einem Byte-Aufbau (rechtes und linkes Halbbyte). Die Schnelligkeit der Datenübertragung richtet sich nach der Entfernung, die ein elektrischer Strom zurücklegen muß. In den Anfängen der Entwicklung setzte man Röhren, später Dioden und Transistoren zur Steuerung von Informationen in den Magnetkernspeichern ein. Die Schaltungen werden heute nicht mehr verlötet, sonder sind durch eingegossene Mikroschaltungen (Monolithtechnik) ersetzt. Dies ist ein Versuch, die Erklärung dafür zu begründen, warum Zugriffszeiten von 1/100 oder 1/1000 Sekunden unterschritten werden konnten. Wir sind längst in den Zugriffsbereich von Mikrosekunden und im Bereich einer Nanosekunde angelangt.



.:: Bilder von Lochkarten